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Leipzig, Tag 3

In der Nacht lag ich noch lange wach. Too much information, ein Overkill an Eindrücken, die man kaum verarbeiten konnte. Aber bei irgendeinem B-Movie-Actioner auf Pro Sieben schlief ich dann irgendwann ein.

Der dritte Tag begann mit einem wunderbaren Frühstück im Seeblick in der Karl-Liebknechtstraße mit Marc Oliver Schuster (Pumpernickel Boys). Woah, die liefern da ein Essen zum Frühstück, welches dem Petit in Petit Déjeuner nicht gerecht wird. Leckerst! Irgendwann, wir waren grad in unsere Welteroberungspläne vertieft, geht die Tür auf und ich denke, hallo, kenn ick doch, und wer sollte es anderes sein, als der wunderbare Finn-Ole Heinrich (“Räuberhände“) in bezaubernder Begleitung (kennt ihr das, man meint jemanden irgendwoher zu kennen, kommt beim besten Willen nicht drauf, woher, tut also einfach so, als ob man sich gerade erst kennengelernt hätte, möchte aber auch irgendwie nicht, dass – falls man sich doch irgendwoher kannte – die andere Person beleidigt ist, andererseits, vielleicht ist es auch nur eine zufällige Ähnlichkeit, soll’s ja geben, also, was tun, aaaaaargh). Ja, das ist Buchmesse. Kollegen allerorten.

Dann wieder ab inne überfüllte Bahn, auf zur Buchmesse, der nächste Interviewtermin, diesmal mit Hauke Grimm von Radio Blau Leipzig. Ungewohnt, wenn auch schön. War in letzter Zeit sehr Privatradiokonditioniert, wo man pro Frage anderthalb Sätze Zeit hat und die schon meist für Füllwörter wie “Also… äh… das ist so… folgendes” verballert. Ein sehr sympathisches Interview, machte Spaß.

Zurück am Stand machte ich mich über das Carlsen Catering her. Und checkte mich um. Überall verkleidete Cosplayer und Mangafans. Zuerst denkt man, oh, Nutten, aber dann: Ach nee, Mangafans. Manches will man einfach nicht sehen, aber, hey, Mut zur Haut.

Abends stand das Carlsen-Verlagsessen mit Funktionären und Co-Autoren an, ich hatte allerdings noch meinen letzten Auftritt zu absolvieren. Joschau, Ralph und ich teilten uns ein Taxi zurück zum Hotel, im Fahrstuhl trafen wir Benjamin Lebert, ich richtete Grüße von Sebastian und Felix Römer aus, dann haute ich mich aufs Sofa.

Der letzte Auftritt war nett. Schuster begleitete mich, knapp 150 Zuschauer tummelten sich bei acht Autoren im Victor Jara und Dirk Bernemann und ich verabredeten uns auf nen Kaffee für den letzten Messemorgen. Dann fuhren er und seine Freundin mich noch zum Novotel, wo die Carlsen-Crew abhing und Cocktails schlürfte. Ich gesellte mich dazu, bekam eine sehr, sehr schöne Nachricht, schaute mir erstmals den MDR-Beitrag an, entdeckte mich in einem anderen und dann entschlossen Joscha und ich uns noch zu einem kleinen frühmorgendlichen Spaziergang durch den Leipziger Bahnhof zu McDonald’s bevor ich mich letztmals in die Federn dieses wunderbaren Hotels warf.

Leipzig, Tag 2

Signierstunde! Das Damoklesschwert! Total surreal, und doch stand sie an für mich, um 12, gemeinsam mit Flix. Und entgegen meiner Erwartungen (“es kommt eh niemand wegen mir”) durfte ich dann tatsächlich zehn Mal meinen Namen in das Buch kritzeln. Cool! Ich hab sogar einen verkleideten Fan. Und wer jemals auf der Leipziger BM war weiß, dass sie mehr oder weniger das WGT für Mangafans ist. Die junge Dame bei unserer Signierstunde ging als eine Figur aus Final Fantasy Crisis Core. Find ich ziemlich spannend und sehr faszinierend.

Der Slam war wieder mal eins dieser wunderbaren Klassentreffen, bei dem es völlig unwichtig ist, wer gewinnt. Überhaupt nicht unwichtig war allerdings, dass mit Jan Koch ein absolut wunderbarer Lyriker gewonnen hat.

Den Wettbeweb des kleinsten Hotelzimmers gewann dann eben grad Ralph Ruthe. Ich lande im Mittelfeld während Joscha Sauer haushoch verliert. Mann, mann, mann…

Leipzig, Tag 1

Nach einer mehr oder weniger durchzechten Nacht mit den netten Leuten vom Freischwimmer in Bocholt machte ich mich morgens, verkatert und mit Restblut im Alkohol auf den Weg von der holländischen Grenze gen Leipzig. Sieben Stunden, die ich im Zug unterwegs sein würde. Ich gedachte sie mit schlafen, schlafen und schlafen zu füllen.

Als ich in Duisburg in den ICE stieg und mich auf meinen Platz setzte entdeckte ich, dass mir zufällig Dorkas Kiefer gegenüber saß. Sie grüßte freundlich. Bei twitter indes entbrannte eine Diskussion über Äußerlichkeiten; ich kann dazu nur sagen: Dorkas Kiefer war eine äußerst angenehme und freundliche Zufallsreisebegleitung, und ist ein überaus charmanter Mensch.

In Leipzig angekommen folgte dann ein kulturschock: Nach vier Tagen on the road und vor allem on the WG-Couch erwartete mich ein Vier-Sterne-Hotel, ein Begrüßungs-Cherry an der Rezeption und ein Zimmer so groß wie meine Wohnung. Selbst aus 4-Sterne-Hotels kennt man ja diese praktisch-hässlichen TV-Schrank-Schrank-Schreibtisch-Kommode-Kombis, aber nicht hier: Jeder Zweck ein eigenes Möbel, edel, edel.

Am Abend dann stand der Auftritt bei der langen Leipziger Lesenacht auf dem Programm, bei der man neben literarischer Prominenz wie Lebert, Zeh oder Friebe auch Nachwuchs wie die Poetry-Slam-Baggage um Bas Böttcher, Volker Strübing und meiner Wenigkeit erleben konnte. Ich war sehr zufrieden: Ein gut gefüllter Saal, laut Flix gut abfeliefert und dazu alle Exemplare verkauft. Ein toller Start in die Buchmesse.

Kurz vor Beginn der Veranstaltung wurde ich noch vom ARTE-Videoblog interviewt, das Ergebnis ist irgendwann im Laufe des Tages hier zu sehen.

Von den anderen Auftritten bekam man leider nicht so viel mit. Erlebt habe ich Mia Ming und ihren bezaubernden Auftritt. Hat mich positiv überrascht.

Und jetzt gehts schlafen. Aber erst schreibe ich noch nen neuen Text. Alles sehr inspirierend hier.

Lange Leipziger Lesenacht

Im März bin ich drei Tage auf der Buchmesse und lese unter anderem in der Moritzbastei im Rahmen der “Langen Leipziger Lesenacht”. Bei dieser Lesung teilen sich zig Autoren bzw. pro Raum zwei je eine halbe Stunde Lesezeit. Ich war schon ganz gespannt, mit wem ich denn das Vergnügen haben werde – und wie ich gerade sehe, ist das Programm endlich online. Ich teile mir die Veranstaltungstonne ab 23 Uhr mit Silvia Hable. Ich habe noch nie was von ihr gehört, aber andererseits gilt das für mich aus ihrer Sicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit genauso, insofern perfekte Zusammenstellung – ihr Buch klingt in jedem Falle schon mal interessant.

Was mich am allermeisten freut: Es mischt noch eine Reihe sehr netter Kollegen mit. Allerdings überschneiden sich einige Auftritte und so muss ich mich in Sachen zuhören wohl oder übel zwischen Volker Strübing / Kirsten Fuchs, Jens Friebe / André Kubiczek oder Bas Böttcher / Mia Ming entscheiden. Ist ja fast wie jedes Jahr uffm Festival. Dafür erhalten Juli Zeh und Bov Bjerg meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Egal wie und überhaupt – schön wird’s, freue mich!