Archiv der Kategorie: Unterwegs

Hiddenhausen

Am 4.9. trete ich zum ersten Mal in meinem Leben in Hiddenhausen auf, diesem kleinen schnuckeligen Städtchen zwischen Herford und Bünde, das bereits vielen Kollegen einen Abend lang künstlerische Heimat war.

Im Vorfeld dieses Auftritts hatte ich Gelegenheit, der Lokalzeitung in einem Interview Fragen zu beantworten.

Überalterung

Im Rahmen der Bielefelder Lese-Kita letzte Woche fiel mir auf, dass ich in der hiesigen Lesebühnen-Szene doch glatt immer noch der Jüngste bin. Yep, kein Scheiß. Rouvinho beispielsweise wirkt zwar frischer und jugendlicher als ich, aber tatsächlich ist er fünf oder sechs Jahre älter (das muss seine Hackfleisch-Diät sein). Ich bin nach wie vor das Nesthäkchen. Eine schöne Abwechslung zur Slam-Szene, in der die Jüngsten direkt mal zehn Jahre jünger sind als ich, aber, hey! Wo ist der Bielefelder Lesebühnennachwuchs, alterstechnisch gesehen? Ist das die viel propagierte lustlose Jugend von heute? Lieber Pokemon und Wii Sports Resort als hinsetzen, schreiben und organisieren? Schämt euch!

Kulturwald-Bericht in der NW

Kulturwald-Bericht in der NW

Ansonsten möchte ich euch den Bericht der Neuen Westfälischen aus dem Kulturwald nicht vorenthalten. Klick auf das Bild, Dude! Und wenn du jetzt immer noch nicht genug von Content, Content, Content hast, dann hier noch aus der Rubrik Opfer der Woche ein Video.

Der Vollständigkeit halber

…und weil im Gästebuch gefragt wird: Beim Open Air-Poetry Slam im Kulturwald teilten Barbara Rademacher und ich uns am Freitag abend den Sieg nach einem schönen Finale und zwei schönen Vorrunden.

Bielefelder Highlander 2009

Wenn man Twitter Glauben schenken darf, habe ich meinen Titel bei den Bielefelder Poetry Slam-Stadtmeisterschaften im Bunker erfolgreich verteidigt. Ich freue mich sehr, der Titel in der Heimat bedeutet mir eine Menge. Danke!

Die Zeit vergeht

Und ich habe hier schon ewig nix mehr gebloggt. War aber auch stressig zuletzt. Die letzten zwei Monate waren beinahe ausschließlich einem hauptberuflichen Projekt gewidmet, wurden aber immer wieder durch gar wundbare Momente unterbrochen. Ich werd jetzt mal versuchen, in aller Kürze die Live-Events und erwähnenswerten Buch-Momente der letzten Wochen zu rekapitulieren.

4. Juni 2009 – LMBN, Dortmund

So darf man wohl in die Sommerpause gehen. Wieder mal volles Haus und mit Andy Weber einen sehr geschätzten langjährigen Bühnenkollegen als Gast am Start. Man, man, man, war das ein schönes erstes LMBN-Halbjahr. Im September geht’s weiter, und wir freuen uns drauf.

18. Juni 2009 – Buchnacht des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Kulturbrauerei, Berlin

Irgendwie scheint es sich einzubürgern, dass die DB sich immer dann was besonderes ausdenkt, wenn ich die gemütlichste Fahrstrecke überhaupt (Bielefeld – Berlin, ICE, 2 h 50 min) vor mir habe. Aber während sie am 16. Mai noch nicht mal etwas dafür konnte, zauberte sie an jenem Donnerstag eine Verspätungsbegründung aus dem Hut, die wirklich alle bisherigen Vögel abschoss und die ich euch gern mal in privater Runde erzähle. War aber kein Problem, da Flixi und ich erst um 0:45 Uhr dran waren. Und das war für viele Zuschauer eindeutig zu spät. Dennoch eine tolle Veranstaltung, Katha vom Börsenverein ist eine hervorragende Gastgeberin, und dank Bier im VIP-Zelt duze ich jetzt den einen von zwei Carlsen-Verlagschefs.

19. Juni 2009 – Highlander-Slam, Zentrum Altenberg, Oberhausen

Auf nach Oberhausen hieß es nach einem gemeinsamen Arbeitsmorgen und Mittagessen mitm geschätzten Flix. Doch auf dem Weg dahin sollte ich noch einen sehr charmanten Zwischenstopp einlegen. Am Wasserturm in Gütersloh, dort, wo ich 2004 eine meiner ersten gemeinsamen Lesungen mit Micha-El Goehre und Eric Pfennig hatte, las ich zur Neueröffnung zwei Texte, um direkt danach wieder in den IC zu hüpfen und mich gen Oberhausen aufzumachen. Abends stieg dort die Stadtmeisterschaft. Lange Rede kurzer Sinn: Ich belegte Platz 2 hinter Andy Weber, und da dieser bereits anderweitig für den Slam 2009 in Düsseldorf qualifiziert ist habe ich die große Ehre, Oberhausen bei den Deutschen Meisterschaften zu vertreten.

20. Juni 2009 – Altonale, Kulturfest, Hamburg

Nach einer wunderbaren Aftershow mit Florian Cieslik und einem bizarren Frühstück in einem der bizarrsten Hotels ever ging es Richtung Norden. Um 17 Uhr sollte ich im Rahmen der Altonale in einem Linien-Bus lesen. Und was soll ich sagen? Eins der schönsten Lesungen ever! Ein pickepackevoller Linienbus (die standen bis vorn zur Frontscheibe), eine Stunde Fahrt, 45 Minuten davon Texterei, inkl. Zwischenstopp in Blankenese. Toll! Warum nicht öfter im Bus?! Abends war dann nach Stopp-Klock-Slam in der Kloppstockkirche (ich liebe die Hamburger, die hauen solche Gags raus, ohne mit der Wimper zu zucken). Sensationelle Athmo. Und wieder was dazugelernt: Wenn man selber auf der Kanzel keinen Hall hört, heißt das noch lange nicht, dass der Zuschauer keinen Hall hört. Und damit auch dich nicht. Wat willste machen.

27. Juni 2009 – Extraschicht, Poetry Slam-Showcase, Essen

Die Extraschicht ist eins dieser Riesen-Superduper-Kulturfestivals, mit denen im Ruhrgebiet Geld verbraten wird, das man sonst in öde Kindergärten stecken müsste. Frank Klötgen, Michi Ebeling, Andy Strauß, Wwalt Koslowsky und ich hatten die Ehre, die Farben des Poetry Slams in drei zwanzigminütigen Showcases vertreten zu dürfen. Und es gab tatsächlich Laufpublikum, das stehenblieb und zuhörte, welches sich aber nicht ganz gegen das eher anderen Dingen zugewandte Laufpublikum durchsetzen konnte. Was soll’s. Immerhin war es eine tolle Zughinfahrt mit Frank und Micha, und Andy und ich hatten die Gelegenheit, Open Air eins der fettesten Unwetter der letzten Zeit mitzuerleben.

28. Juni 2009 – Buchhandlung Lentner, München

Ich mag ja diese kleinen feinen Buchhandlungen, bei denen du merkst, dass die tatsächlich noch die Bücher lesen, die sie verkaufen. Das Buch-Café Lentner hatte mich eingeladen, und ich kam gern. Morgens am Bielefelder Hauptbahnhof großes Hallo, Marc Uwe Kling und Nils Heinrich auf dem Weg nach Hause von ihrem Zweischlingen-Auftritt, bis Hannover genug Gelegenheit bei Frischgepresstem im Bordbistro zu klönen. Abends in München dann ausverkaufte Buchhandlung und eine äußerst angenehme Lesung bei tropischen Temperaturen. Danke an Bumillo für den Support!

Tja, das war er, der Juni, in Sachen Lesungen. Schön war’s. Und im Juli geht’s munter weiter, aber dazu später mehr!

Wenn man bei YouTube

Wenn man bei YouTube “Poetry Slam” als Suchbegriff eingibt und in der “Erweiterten Suche” die Sprache “Deutsch” wählt, und wenn man dann das Suchergebnis nach “Anzahl der Aufrufe” sortiert, dann erhält man auf den ersten vier Plätzen vier junge Herren, die zufälligerweise Mitglieder der Dortmunder Lesebühne LMBN sind. Kein Scheiß!

Und wenn man dann in den Kalender sieht und entdeckt, dass heute der 4. Juni ist, dann kann man heute abend ins Domicil (Hansastraße) gehen und diese vier Jungs zzgl. DJ Nachtfalke lesen sehen. Kracher!

LMBN – Die Dortmunder Lesebühne
Sebastian 23, Sulaiman Masomi, Andy Strauß und Mischa-Sarim Vérollet
mit Musik von DJ Nachtfalke
Donnerstag, 4. Juni 2009 (das letzte Mal VOR DER SOMMERPAUSE)
20 Uhr
Domicil, Dortmund

Warum man das macht

Mischa-Sarim Vérollet bei EinsLive

Mischa-Sarim Vérollet bei EinsLive

Vor 9 oder 10 Jahren hörte ich erstmals die Sendung Klubbing auf EinsLive. Zu dem Zeitpunkt machten Marc Oliver Schuster und ich – ich war 17 oder 18 – erste zarte Gehversuche in der Welt der Literatur und fortan gab es diesen einen kleinen, wenn auch ausreichend großen, weil zwischenzeitlich unerreichbaren Traum, selbst einmal im Kultkomplex-Café zu sitzen, mit Mike Litt zu quatschen und aus einem meiner Bücher zu lesen.

Was soll ich sagen. Es gibt kaum Schöneres, als wenn sich Träume erfüllen.

Danke, EinsLive. Danke, +-300.000 Hörer oder so. Danke allen, die vor Ort, vorm Radio, via Twitter, E-Mail und SMS dabei waren. Danke allen, die mein Buch noch in der selben Nacht bis auf Platz 143 bei amazon schickten. Danke, Bier!

Man wird oft gefragt, warum man das macht, dieses Schreiben und Auftreten, dieses Seelen strippen, warum man das – neben dem tatsächlich sekundären aber nicht zu unterschätzenden finanziellen Vorteil – macht. Die Antwort ist einfach. Beispielsweise wegen Mails, wie der, die ich am Wochenende, nach Klubbing via myspace erhielt:

Ich möchte Dir was erzählen: Der gestrige Abend stand kurz davor sehr einsam und alkoholbedürftig zu werden bis ich einen Anruf von meinen Freunden erhielt. Zehn Minuten später saß ich mit genau diesen Im Auto und wir sind einfach so herumgefahren (Dinge, die die Jugend von heute macht um des Lebens nicht überdrüssig zu werden …) auf durch die Nacht! Wir besuchten unseren guten Freund Mc Donalds und kauften seine Pommes. Bis sich auf einmal Deine Stimme durch die kleinen Radiolautsprecher zwängte. Es schien kurzzeitig wie ein minimalistischer Krieg zwischen Mensch und Machine! Es rauschte und Dir blieb die Stimme weg. Du gegen das Radio: Und Du hast gesiegt (YES!). Von da an saßt du angenehme 20 Minuten mit uns im Auto. Wunderbare Geschichten vor dich hinerzählend, auf den Katzenplatz – hinten mitte, gequetscht. Ich habe versucht mir im Licht der vorbeiziehenden Straßenbeleuchtung den Titel deines neuen Buches und den Termin für Dortmund auf die Arme zu schreiben. Hat super geklappt: Mein Spiegelbild sagt “ttoG .hcid fua hets hcI” (Okay das war gelogen. Aber die Worte haben sich auf meinen Armen vermehrt. Aber nicht einfach als Klone – als Neue Rasse! Danke. Auf die Pommes des Todes!

<3

Für alle, die es verpasst haben, es gern aber nicht verpasst hätten: ARD wie EinsLive selbst bieten meine Lesung aus “Das Leben ist keine Waldorfschule” als Stream an.

Ab 22.45 Uhr: EinsLive Klubbing

Und zwar mit mir, live aus dem Kultkomplexcafé im Kölner Mediapark. Zu hören im Radio oder via Livestream auf einslive.de.

Das war, das kommt

Vieles passiert in den letzten zwei Wochen, deshalb zusammengefasst: Die alljährliche Lesung in Oeynhausen war wieder wunderbar, zusammen mit Markus Freise hat derbe Spaß gemacht. +++ LMBN sprengt allmähliche jede Erwartung, die wir an unsere Lesebühne hatten: Beim dritten Mal drängten sich über 150 Zuschauer in den kleinen Club des Domicil, wir sind geflashed, vielen Dank. +++ Im FAZ Hochschulanzeiger war eine wunderbare Rezi, über die mich sehr gefreut habe. Parallel dazu haben wir Anfang April mit Das Leben ist keine Waldorfschule die 3.000er Marke bei den Verkäufen durchbrochen. Woaah, bin sehr, sehr froh, geile Sache. Danke an alle Leser und Käufer! +++ Ausgabe 3 der Cinemaxx-Veranstaltung Poetry All Stars hat uns sprachlos gelassen, ein wunderbares Fest, für uns, für die Slammer, für die Zuschauer. Yeah! Hier gibt’s Fotos!

Das kommt: Heute abend lese ich erstmals in Chemnitz, bei Turboprop, einer Veranstaltung der sehr sympathischen Claudius Nießen und Christoph Graebel, die ich bereits im Rahmen der Buchmesse kennenlernen durfte. +++ Morgen abend, Freitag, gleite ich dann dem wohl vorläufigen Karrierehöhepunkt entgegen: EinsLive Klubbing ruft und ich komme! Ab 22.45 Uhr lese ich Ausschnitte aus meinem Buch und beantworte die Fragen von Mike Litt. Ich gebe gern zu: Ich bin aufgeregt. Und freue mich. Wir hören uns!

Slumdog Millionaire. I like very much.

Neben all dem re:publica-Wahnsinn fand ich noch Zeit, begleitet von der Slam-Kollegin Charlotte (der Rest der mich charmant beheimatenden RosiSlam-Mischpoke hatte keine Zeit oder keine Lust und der Freise keine Zeit und keine Lust) in Berlin Slumdog Millionaire zu gucken. Kollege Schuster hatte ihn mir beim Frühstück in Leipzig in seiner ureigenen Art dringendst ans Herz gelegt (“!!!!!!!111111elfelf”) und so war ich sehr dankbar, in Berlin ein OmU-Kino vorzufinden (ihr wisst schon, neben dem Café Cinéma am Hakeschen Markt.)

Und wasn schöner Film. Ick hatte mich ja schon seit meiner ersten Sichtung des Trailers bei peter noster wie Bolle drauf gefreut und wurde nicht enttäuscht. OK, ich bin natürlich befangen. Danny Boyle war mit seinen Filmen der prägende Regisseur meiner Jugend (“Shallow Grave”, “Trainspotting”, “A life less ordinary”) und Adoleszenz (“The Beach” – ja, ich fand ihn tatsächlich gut) und so hat der Gute per se erstmal Vorschusslorbeeren. Und die rechtfertigte er durchaus. Der Film ist – wie der Strübing richtigerweise sagt – ein “schöner Märchenfilm”. Die Beschreibung trifft’s am besten. Das Wissen mag zwar den einen oder anderen, der sich nicht einfach nur unterhalten lassen, sondern immer alles irgendwie interpretieren muss, nicht über den einen oder anderen Logikbruch hinweghelfen. Aber wer in der Lage ist, sich für zwei Stunden fallen und unterhalten zu lassen und den überdies die PC-Mafia mit ihrem Label “Poverty-Porn” nicht verschreckt hat, den erwartet ein wunderbares, ganz famos gefilmtes Kleinod, eine so krude wie herzallerliebste Mischung aus “Das Wunder von Bern”, “City of God” und “Baz Luhrman’s William Shakespeare’s Romeo+Juliet”. Ich vergab 8 von 10 Punkten, Kollegin Charlotte zunächst 6,5 von 10, die sie auf sympathische 7 hochkorrigierte.

Ach ja: da ich schon beim deutschen Trailer einen ganz faden Geschmack im Mund bekam empfehle ich hier dringend das Orijinal!