
Man merkt, dass man alt wird, wenn man sich in technisch geprägten Situationen fühlt wie einst der Vater beim Erwerb des ersten Computers. So geschehen mir und meinem Kumpel Flix bei der zitty Leserlounge in der Kantine Berghain.
Vorab: Die Lesung war großartig, wir hatten sehr viel Spaß, ein tolles Publikum und einen sehr charmanten Moderator, kurz: Ein Abend, wie er runder kaum geht. Knapp über 100 Zuschauer hatten sich in der damit vollen Kantine des Berghains eingefunden, um meinen Texten zu lauschen und Flixens Cartoons zu bestaunen. Die Stimmung war prächtig. Aber jetzt kommt der Clou, wie bereits kurz im vorigen Posting angesprochen:
Zeitgleich wurde die Lesung in die 3D-Welt Twinity übertragen, Second Life nicht unähnlich, dafür aber mit konkretem Berlinbezug. So hat die zitty in twinity ein virtuelles Redaktionsbüro und genau dort fand die, äh, Übertragung unserer Lesung statt. Die Mitarbeiter von twinity hatten 3D-Figuren von Flix und mir erstellt und diese bewegten sich zum Audiostream unseres Live-Auftritts (siehe Fotos in diesem Beitrag, per Klick vergrößern).
“facial musculature and laughing animations were almost overstrained” – the twinity times

Der Knaller: Knapp über 30 virtuelle 3D-Zuschauer, hinter denen reale Personen an Rechnern quer durch die Bundesrepublik steckten, schauten sich über den Abend verteilt die Lesung an und – der Oberknaller – beteiligten sich sogar an der sich der Lesung anschließenden Fragerunde. So kam es dann, dass der Twinity-Mitarbeiter sich zu Wort meldete und sagte: “Sonja aus Twinity fragt: …” Wir antworteten, was Sonja per Audiostream mitverfolgen konnte und mit einem virtuellen 3D-Winker in Richtung unserer 3D-Avatare goutierte. Höhepunkt: Flix und ich riefen – völlig überfordert mit und überwältigt von diesem technischen Mindfuck – “Hallo twinity!” ins Mikro. Wie wir später erfuhren antworteten die 3D-Zuschauer tatsächlich und schrieben freundlich via Chatfunktion “Hallo Mischa, hallo Flix!” zurück. Schräg. Lustig und faszinierend, aber auch schräg. Eine definitiv sehr interessante Erfahrung, für die ich mich bei zitty und twinity bedanke und die ich nicht missen möchte. Da werde ich glaube ich noch meinen Kindern von erzählen. Aber ich hoffe, ihr twinitens (nennt man twinity-citizens so?) seid mir nicht böse, dass ich reale Lesungen nach wie vor bevorzuge, genau wie ich ebooks – im Gegensatz zu Marc – nicht so wirklich etwas abgewinnen kann.
Ach ja, auf diesem Bild kann man sehen, wie Flix und ich unserer virtuellen Gewinnerin gratulieren, die ganz unvirtuell ein echtes Buch gewann, welches ihr in ihre unvirtuelle Heimatstadt Osnabrück geschickt wird. Viel Spaß!