“Toller Text! Zahlen Sie nur 8.000 € und wir veröffentlichen ihn!”

Während meiner Zeit bei der Sparkasse gab es mal eine Kreditanfrage einer Dame, die eine Erzählung verfasst hatte und nun dem Banker freudestrahlend berichtete, einen Verlag gefunden zu haben, der bereit war, ihre Erzählung zu veröffentlichen. Welch Glücksfall, es sei ihr nun beschert, schon bald vom Schreiben leben zu können. Alles, was sie tun müsse, sei knapp 3.500 € zuzuschießen und dann könnte es schon losgehen. Deshalb wende sie sich jetzt an die Sparkasse, um einen Kredit für den Zuschuss aufzunehmen. Die gute Dame hatte Glück, dass der Banker von mir wusste und mich nach meiner Meinung fragte. Auf keinen Fall einen Kredit gewähren, riet ich, und unbedingt der Dame empfehlen, dieses Verlagsangebot in die Wüste zu schicken.

Leider Gottes kein Einzelfall. Eine gesamte Branche lebt von der Eitelkeit ambitionierter Autoren und der Unehrlichkeit deren Umfelder. Im Literaturcafé habe ich hierzu einen sehr guten Artikel gefunden, der für alle angehenden Autoren Ratschläge bereithält, die helfen, sich durch den Dickicht der Halsabschneider hindurchzunavigieren.

Aber wieso zahlen dennoch so viele Menschen Geld, um veröffentlicht zu werden?

Die Antwort ist oft schmerzlich und erfordert eine realistische Sicht auf die eigene Arbeit: Die meisten Texte sind einfach zu schlecht oder nur für eine so kleine Zielgruppe interessant, dass ein normaler Verlag völlig zu Recht keine wirtschaftliche Grundlage für eine Veröffentlichung sieht. Wenn aber dann ein Unternehmen, das sich Verlag nennt, dem Text ein gewisses Potenzial bescheinigt, fühlt sich der Autor endlich bestätigt und verstanden und wirft jedes Misstrauen über Bord. Es ist, als würden Sie einem wildfremden Menschen 100 Euro in die Hand drücken, wenn dieser Ihnen bescheinigt, dass Sie einfach umwerfend gut aussehen.

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4 Antworten zu ““Toller Text! Zahlen Sie nur 8.000 € und wir veröffentlichen ihn!”

  1. Hallo, ich bin auch eine Jungautorin und habe mein Manuskript bei verschiedenen “relativ” großen Verlagen vorgestellt. Zum einen ist es der R. G. Fischer- Verlag in Frankfurt. Und zum anderen die Deutsche Literaturgesellschaft Berlin. Beide waren von vornherein von meinem Manuskript fasziniert und wollen es so schnell wie möglich verlegen. Und haben mir gleich schon die Verträge und Zahlungsmodalitäten zugeschickt. Unter anderem auch mit dem Beisatz: Wir könnten Ihnen auch eine Ratenzahlung einräumen. Denn wer hat schon mal 8000- 10 000 Euro unterm Kopfkissen liegen. Hier ein kurzer Ausschnitt aus dem Fischer- Brief: “Aufgrund eines sehr positiven internen Lektoratsgutachtens hat unsere Lektoratskonferenz einstimmig dafür votiert, Ihrem Werk einen Platz in unserem Programm einzuräumen. Allerdings müssen wir darauf hinweisen, dass wir derzeit neue Bücher nur noch dann umgehend in unser Programm aufnehmen können, wenn diese vom Autor oder von dritter Seite mit einem Kostenzuschuss gefördert werden. Ein Teil des Kostenzuschusses wird dazu verwendet, den Ladenpreis möglichst niedrig zu halten. Hierfür haben wir ein separates Verlagsangebot beigefügt, das mehrere Varianten zu Auswahl enthält. In unserem Angabot sichern wir Ihnen die Präsentation Ihres Buches auf den drei großen deutschsprachigen Buchmessen, Frankfurt, Leipzig und evtl. Basel zu.” Ähnlich sind auch die Briefe von der Deutschen Literaturgesellschaft, auch gleich mit den Verträgen und horrenden Summen. Nur einen Erfolg kann mit keiner garantieren. Wenn ich danach frage, schweigt sich jeder aus. Ich würde mich über einen regen Erfahrungsaustausch sehr freuen, damit ich keine Fehler begehe, die ich später bereuen würde. Liebe Grüße Evi

  2. Frau Evi

    das kennt man zur Genüge! Nach der Textvorlage liefern DKZV´s ein Angebot. Falls Sie fragen, ob das Verlegen des Buches kostenlos ist, antwortet der Verleger, dass dies während der “Verlagskonferenz” erst entschieden wird – klar, wie die Antwort ausgegangen ist, wissen Sie!
    Die Kosten bei einem Buch mit 200 Normseiten können bei 4000 Eu liegen. Wenn der Autor unterschreibt, freut sich der Zweite, nämlich der Verlag, der die Summe vorgibt. Wenn Sie unterschreiben, ist´s Ihr Bier!
    Sie dürfen nicht davon ausgehen, dass Sie die Summe wieder hereinbekommen, wenn Sie Lesungen durchführen! Dies würde nur der Fall sein, Ihre Lektüre stünde im Regal der Buchhandlungen. Ihnen bleibt nur ein Weg – Texte bei seriösen Verlagen oder Agenturen einreichen u. jede Menge Absage “kassieren” – vorerst!
    Es gibt noch viele andere DKZV´s die Ihren Text über den Klee loben, um Sie zur Unterschrift unter einen Verlagsvertrag zu bewegen. (Aug. v. Goethe, Projekte-Verlag Halle u.s.w)
    1. Nutzen Sie die Buchmessen, um dem Inhaber des jeweiligen DKZV in die blauen Augen zu schauen – er wird vor ihrer Frage, ob er denn für Ihre Autorentätigkeit etwas kassiere würde, nie kapitulieren können.
    2. Ein Publikumsverlag benötigt für die Sichtung ihres Expos eine Woche – bei guter Laune akzeptiert er es sogar per E-Mail! Wenn er das Genre will, dürfen Sie Leseprobe u. Expo per Post senden. Dann geht die Warterei los – leider. Wenn Sie Glück haben, gibt´s nach einem viertel Jahr eine Antwort – das ist nun mal so, weil jeder A… ein Buch schreiben will!
    Verlage mit solchen Wartezeiten haben es nicht nötig, Sie über den Tisch zu ziehen, denn ein guter Ruf bringt ihnen eine Menge Manuskripte ein. (z.B. Gmeiner, Knaur) Kleinere Autorenverlage sind auch nicht zu verachten!
    Also – wie geschrieben – weitersuchen!
    W.S.

  3. Hier ist ein Hammer, Frau Evi – er wird Sie abschrecken:
    Publikationskosten für Text mit 260 Normseiten
    14. 600 Eu. Es ist ein Vertrag der D. Lit.gesellchaft in 10789 Berlin von Ende 2009.
    Da liegen Sie mit o.g. 8000 Glocken noch günstig!
    W.S.

  4. Hallo an alle!

    ich habe mich damalig auf den Literaturagenten Axel Poldner eingelassen und bin ziemlich dreist abgezockt worden.

    Hier sollte ich “nur” das Lektorat und eine kleine Vermittlungsgebühr entrichten. Da ich aus familiären Gründen mich nicht um einen Verlag kümmern konnte, dachte ich, es sei eine gute Idee, einen Agenten damit zu beauftragen.

    Geld bezahlt – nichts dafür bekommen. Zivilgericht eingeschaltet – Recht bekommen. Mahnverfahren eingeleitet – angeblich zahlungsunfähig! Andere Opfer im Internet gesucht und fast ohnmächtig geworden! Ich habe “nur” 123 Opfer aufgenommen, da ich dann nicht mehr die Möglichkeit hatte, weitere Daten aufzunehmen! Wir kämpfen nun für Gerechtigkeit seit zwei Jahren!

    Unter den Opfern sind nicht nur Autoren, sondern Lektoren, Verlage, Banken, Druckereien usw.

    Die Insolvenzsumme einer einzigen Firma Axel Poldners übersteigt nun 1 Mill. Euro!

    Also vorsicht bei Agenten und Verlagen, die Vorschuss kassieren wollen, egal, wie diese es nennen.

    Der Autor zahlt nichts! Das ist die richtige Devise!

    Wer mehr über die Sache erfahren möchte, kann sich über das Literaturcafé oder Renate Blaes mehr Informationen holen.

    Liebe Grüße
    Beate Eickelmann

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